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gegen Krieg

Noam Chomsky at Occupy Boston – Howard Zinn Memorial Lecture

Wenn wir eine Chance auf eine gute Zukunft wollen,
muss die Bewegung hier und in der ganzen Welt wachsen.
Es ist ein bisschen schwierig eine Howard Zinn Memorial Lecture
bei einem Occupy-Treffen zu halten.

Gemischte Gefühle kommen dabei auf.
Zuerst das Bedauern, dass Howard nicht hier teilnehmen
und seine besonderen Stärken einbringen kann,
was sein Lebenstraum gewesen wäre,
dann die Begeisterung darüber,
dass der Traum gerade wirklich wahr wird.

Es ist ein Traum für den er viel Vorarbeit geleistet hat.
Hier mit euch zu sein,
wäre für ihn die Erfüllung seines Traumes gewesen.

Die Entstehung der Occupy-Bewegung ist eine aufregende Entwicklung.
Tatsächlich ist es spektakulär.
Es ist beispiellos, soweit ich weiß, hat es so etwas noch nicht gegeben.

Wenn die Bünde und Vereinigungen,
die bei diesen bemerkenswerten Ereignissen etabliert werden,
über ein lange, harte Periode in der Zukunft aufrecht erhalten –
denn die Erfolge kommen nicht kurzfristig –
könnte sich das aktuelle Geschehen
zu einem wichtigen Moment in der amerikanischen Geschichte entwickeln.

Die Beispiellosigkeit der Demonstrationen ist der Zeit entsprechend.
Wir leben in einer beispiellosen Zeit
– nicht nur in diesem Moment –
sondern eigentlich seit den 1970ern.

In den 1970ern gab es einen großen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
Seit Jahrhunderten, seitdem dieses Land besteht,
war es eine sich entwickelnde Gesellschaft mit Höhen und Tiefen.

Doch die Gesamttendenz ging in Richtung Wohlstand,
Industrialisierung und Entwicklung
– sogar in schlechten Zeiten – es gab eine ziemlich konstante Erwartung,
dass es in gewohnter Weise weitergehen könne.

Das war auch richtig, sogar in schlechten Zeiten.

Ich bin gerade alt genug,
um mich an die grosse Depression erinnern zu können.
Nach den ersten Jahren, Mitte der 30er, war die Stimmung,
obwohl die Situation viel rauer war, als sie heute ist, eine ganz Andere.

Es gab die Erwartung, aus der Situation herauszukommen,
sogar bei arbeitslosen Menschen. Es gab Hoffnung auf Besserung.

Eine militante Arbeiterbewegung formierte sich, CIO (Gewerkschaft) entstand.
Es kam zum Sitzstreik, was für die Geschäftswelt sehr beängstigend war.

Man konnte das derzeit in der Wirtschaftspresse verfolgen.
Ein Sitzstreik war damals der Schritt vor der Übernahme
des Unternehmens durch die Arbeiterschaft.

Auch die „New Deal“-Reformen gerieten öffentlich in die Kritik.
Es gab ein Bewusstsein das man irgendwie aus der Situation herauskommen wird.

Das ist heute nicht so. Es herrscht eine Art durchdringender Hoffnungslosigkeit,
oder, ich denke, Verzweiflung.

Ich denke das ist neu in der amerikanischen Geschichte
und es hat eine objektive Basis.

In den 30ern konnten unbeschäftigte Arbeiter fest davon ausgehen
wieder in Arbeit zu kommen.

Wenn man heute ein Fabrikarbeiter ist –
und die Arbeitslosenzahlen in der verarbeitenden Industrie
sind aktuell annähernd auf dem Niveau der Depression –
wenn die aktuellen Tendenzen weiter bestehen,
werden diese Arbeitsstellen nicht wieder entstehen.

Die Veränderung fand in den 70ern statt.
Es gibt viele Gründe dafür.

Einer der wichtigsten Gründe, hauptsächlich aufgeführt
vom Wirtschaftshistoriker Robert Bernard,
der viel Arbeit in diese Argumentationslinie gesteckt hat,
ist der Verfall der Profitraten.

Das und andere Faktoren, führten zu tiefgreifenden Veränderungen in der Wirtschaft
– einer Umkehr von 700 Jahren des Fortschrittes zu Industrialisierung und Entwicklung.

Wir haben und einem Prozess von Deindustrialisierung und Rückentwicklung zugewandt.

Natürlich existierte die verarbeitende Industrie weiter,
jedoch in Übersee (das ist sehr profitabel, aber nicht gut für die Arbeitskräfte).

Damit einher ging eine signifikante Verlagerung der Wirtschaft,
von produzierenden Unternehmen, die Dinge die Menschen brauchen produzieren,
hin zu finanzieller Manipulation.

Die Finanzialisierung der Realwirtschaft hatte dort ihren Ursprung.

Vor den 70ern waren Banken Banken.
Sie taten wozu Banken in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung bestimmt waren:
ungenutztes Geld nehmen, wie, sagen wir, von einem Bankkonto
und es einem nützlichen Zweck zuführen,
wie einem Hauskauf oder der Ausbildung von Kindern.

Es gab keine Finanzkrisen.
Es war eine Periode enormen Wachstums;
die längste Wachstumsperiode in der amerikanischen,
vielleicht sogar in der Geschichte der Ökonomie.

Es gab nachhaltiges Wachstum in dem 50er und 60ern und es war egalitär.
Das unterste Perzentil wuchs im gleichen Maß wie das oberste Perzentil.
Der Lebensstandard stieg, viele stiegen in das,
was hier Mittelschicht genannt wird auf (Arbeiterklasse wird es in anderen Ländern genannt).

Es war echt. Die 60er beschleunigten die Entwicklung.
Der Aktivismus der 60er, nach einer ziemlich düsteren Dekade,
ließ eine vielfältige Zivilgesellschaft die bis heute Bestand hat entstehen.
Das veränderte sich nicht.

Die 70er kamen und plötzlich gab es ein Trendwende der Industrialisierung,
Produktion wurde ausgelagert. Schwerpunktverlagerung zur Finanzindustrie,
die enorme Wachstumsraten hatte.

Ebenfalls in den 50ern und 60ern fand die Entwicklung dessen statt,
was Dekaden später zur High-Tech-Industrie wurde. Computer, Internet,
die IT-Revolution wurde im Wesentlichen in den 50ern und 60ern,
vornehmlich im staatlichen Apparaten vorangetrieben.

Es dauerte einige Jahrzehnte bis es sich etablierte,
entwickelt wurde es aber damals.

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